Operative Verfahren

Axilladissektion

Wenn im Wächter-Lymphknoten Tumorzellen nachgewiesen werden, ist es in bestimmten Fällen sinnvoll, weitere Lymphknoten in einer zweiten Operation zu entfernen. Derzeitiger Standard ist die operative Entfernung von mindestens 10 Lymphknoten im Level I und Level II. Nebenwirkungen in Form von Taubheitsgefühlen, Bewegungseinschränkungen und Schwellungen (Lymphödem) können die Folgen des Eingriffs sein.

Brusterhaltende Operation (BET)

In den meisten Fällen ist es möglich, brusterhaltend zu operieren. Ziel der brusterhaltenden Therapie ist die komplette Entfernung des Brustkrebses (Mammakarzinoms) mit einem tumorfreien Resektionsrand, also der Grenze zwischen erkranktem und gesundem Gewebe. Die Mindestabstände des Tumorgewebes zum gesunden Gewebe sind beim invasiven Mammakarzinom ein Millimeter und beim DCIS (Duktales Carcinoma in situ, Krebsvorstufe) zwei Millimeter.

Damit keine Deformierung der Brust entsteht, wird der Drüsendefekt durch Verschiebung von Gewebe wieder ausgefüllt. In der Regel wird eine Drainage eingelegt, damit überflüssiges Blut und Wundsekret abfließen kann. Komplikationen sind nach der brusterhaltenden Operation eher selten. Zu berücksichtigen ist, dass bei tumor-positiven Schnitträndern eine Nachresektion durchgeführt werden muss. Zudem muss nach einer BET eine Bestrahlung der behandelten Brust erfolgen.

Mastektomie / Ablatio

Die Mastektomie bezeichnet die Entfernung der Brustdrüse. Unterschieden wird zwischen der modifiziert radikalen Mastektomie (MRM) und der Skin Sparing Mastektomie (SSM). Im Rahmen der radikalen Mastektomie (MRM) werden der gesamte Brustdrüsenkörper mitsamt der Brustwarze, die angrenzende Haut und die oberflächlichen Schichten der Pectoralisfaszie entfernt. Bei der Skin Sparing Mastektomie (SSM) wird das Brustdrüsengewebe komplett entfernt, doch die Haut und die Brustwarze bleiben erhalten.

Indikation Mastektomie/Ablatio

Grundsätzlich erfolgt eine Mastektomie, also die Entfernung der Brustdrüse, vor allem wenn eine brusterhaltende Operation (BET) nicht möglich ist, aufgrund folgender Kriterien:

  • multizentrisches Karzinom
  • ausgedehntes Karzinom >4 cm
  • tumorbefallene Schnittränder trotz Nachresektion
  • Inflammation (Entzündung)
  • Kontraindikation einer Strahlentherapie
  • Wusch der Patientin

Brustrekonstruktion

Eine Brustrekonstruktion (Wiederaufbau) im Rahmen der Mastektomie kann sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden mittels Prothetik, Eigengewebe aus Bauch oder Gesäß und kombinierten Verfahren. Die Entscheidung für oder gegen eine Rekonstruktion ist immer individuell, wobei der Wunsch der Patientin hier unbedingt zu berücksichtigen ist. Eine Rekonstruktion kann auch nach Jahren noch durchgeführt werden.

Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SNB)

Für die weitere Behandlungsplanung ist es wichtig ob und wie viele Achsellymphknoten von Tumorzellen befallen sind. Die sogenannten Wächter- oder Sentinel-Lymphknoten sind die ersten Lymphknoten, die vom Tumor ausgehenden Lymphgefäßen versorgt werden. Gelangen Tumorzellen durch die Lymphgefäße zu den Lymphknoten, ist davon auszugehen, dass die Wächter-Lymphknoten als erste befallen sind.

Zum Auffinden der Wächter-Lymphknoten bei der Operation wird im Bereich des Tumors am Vortag eine schwach radioaktive Substanz (Technetium-99m) um den Tumor gespritzt. Die Substanz ist gesundheitlich unbedenklich. Der Stoff gelangt in die Lymphgefäße, wird in Richtung der Wächter-Lymphknoten transportiert und dort angereichert. Diese Lymphknoten werden entfernt und feingeweblich untersucht. Sind sie tumorfrei, kann auf eine Axilladissektion (Entfernung weiterer Lymphknoten) verzichtet werden.