Bewegung ist eine gute Medizin: Sport und Diabetes

Der Volksmund sagt dazu: „Ich muss jetzt auf meinen Zucker achten.“ Der Mediziner nennt diese Stoffwechselstörung Diabetes mellitus und unterscheidet hierbei zwei Typen. Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung und nicht heilbar. Diabetes mellitus Typ 2 prägt sich erst im Laufe des Lebens aus und ist die Antwort des Körpers auf eine bewegungsarme Lebensweise und Übergewicht – vor allem am Bauch. Mit den richtigen Medikamenten ist die Krankheit gut kontrollierbar. Es gibt allerdings auch eine unterstützende Maßnahme, die jeder Patient selbst in der Hand hat: Sport und Bewegung.

Diabetes-mellitus-Behandlung in der Beta Klinik
Wie Diabetes mit Sport in den Griff zu bekommen ist, weiß Prof. Dr. med. Sven Schinner aus dem Fachbereich Endokrinologie und Diabetologie der Beta Klinik in Bonn. „Die Veränderung des persönlichen Lebensstils, besonders hinsichtlich Ernährung und Bewegung, sind die Basis jeder Diabetes-Typ2-Therapie. Im Frühstadium kann die Krankheit durch ein gezieltes Sport- und Bewegungsprogramm sogar ganz verschwinden.“ Der Spezialist kennt die Erkrankung genau und erarbeitet mit seinen Patienten individuelle Therapieprogramme. Sport und Bewegung gehört in jedem Fall dazu. Mit Langzeitpatienten erarbeitet er – je nach Konstitution – ein Stufenprogramm, das von anfänglicher vermehrter sportlicher Aktivität im Alltag in ein spezielles Trainingsprogramm münden kann.

Blog_Bewegung-ist-gute-Medizin-Sport-u-Diabetes

Bewegung ist gesund: Gemeinsam besprechen Arzt und Patient den idealen Trainingsplan.

Wie Diabetes mellitus Typ2 und Sport sich gegenseitig bedingen
„Ein Grundproblem bei Diabetes ist eine sogenannte Insulinresistenz. Das anfangs noch ausreichende körpereigene Insulin beginnt dann im Körper nur noch eingeschränkt zu wirken. Sport und Bewegung kurbeln die Wirkung des körpereigenen Insulins wieder an,“ erklärt Dr. Schinner den Einfluss von Sport auf den Insulinspiegel. „Wer seinen Diabetes in Teilen durch Sport therapieren möchte, muss im Vorfeld mit einem Arzt die Dosierung der zusätzlichen Medikamente besprechen. Denn die Menge des zu spritzenden Insulins und auch blutzuckersenkende Medikamente müssen an die – durch Sport verbesserte – Wirkung des Insulins angeglichen werden,“ erläutert Dr. Schinner weiter.

Als Orthopäde und Sportmediziner sowie Fitness-Coach arbeitet auch Dr. med. Markus Klingenberg mit Sport und Bewegung gezielt gegen Diabetes Typ 2. „Ausreichendes körperliches Training kann bei Betroffenen zur Verbesserung der insulin-unabhängigen Blutzuckeraufnahme in den Muskeln führen,“ erklärt der Sportmediziner. „Durch Sport steigt in der Wand der Muskelzellen die Anzahl spezieller Transportmoleküle. Dieser Effekt kann bis zu 36 Stunden andauern und führt dazu, dass der Insulinbedarf in diesem Zeitraum sinkt und die Bauchspeicheldrüse entlastet wird“, so Dr. Klingenberg weiter. Im aktuellen Functional Training Magazin (Ausgabe 3/2016) hat er einen Expertenbeitrag zum Thema Sport bei Diabetes veröffentlicht.

Zucker meiden und Sport treiben
Regelmäßigkeit – so sind sich Dr. Klingenberg und Prof. Schinner einig – ist das A und O, wenn Diabetes und Sport zusammenkommen. Denn die positive Wirkung auf Blutzucker und Muskulatur hält nur wenige Tage an. Ein dauerhafter und positiver Therapieeffekt entsteht nur durch kontinuierliches Training sowie einen aktiven Lebensstil. Bewegung ist immer eine gute Medizin und ein probates Mittel, auch anderen Volkskrankheiten wie Herz- und Gefäßerkrankungen, erhöhtem Cholesterin oder Bluthochdruck vorzubeugen.

SCHINNER_Sven_Prof

Prof. Dr. med. Sven Schinner

Dr. med. Markus Klingenberg

Dr. med. Markus Klingenberg