Epilepsie-Diagnostik

Epilepsie richtig diagnostizieren und behandeln

Die Epilepsie zählt heute insgesamt zu den gut behandelbaren neurologischen Erkrankungen. Bei einer Mehrzahl von etwa zwei Dritteln aller Epilepsiepatienten kann mit einer medikamentösen Therapie – meist im ersten oder zweiten Anlauf – komplette Anfallsfreiheit erzielt werden.

Bei einem Drittel der Patienten gelingt es trotz mehrerer Versuche nicht, Anfallsfreiheit zu erreichen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann bei zirka 20 Prozent dieser Patienten eine epilepsiechirurgische Behandlung zum Erfolg führen. Besteht keine epilepsiechirurgische Behandlungsoption oder lehnt ein Patient diese Möglichkeit für sich ab, so kann seit wenigen Jahren die sogenannte Vagusnerv-Stimulation angeboten werden.

Abgesehen von der ketogenen Diät fehlen für andere Behandlungsstrategien – zum Beispiel Naturheilverfahren, Akupunktur, Homöopathie, Psychotherapie – die erforderlichen Wirksamkeitsnachweise.

Prächirurgische Epilepsiediagnostik

Funktionsdiagnostik: Untersuchungen zur Identifikation des Anfallsherdes (Fokus) mittels

  • Video/EEG-Langzeitableitungen („Monitoring“): Aufzeichnung der Hirnströme von der Kopfhaut und Videoüberwachung des Patienten
  • MRT (Magnetresonanz-Tomographie) oder auch Kernspintomographie: Verfahren zur Darstellung der Hirnstruktur und gegebenenfalls hirnstruktureller Veränderungen
  • SISCOM: aufwendiges Verfahren zur Darstellung der mit einem beginnenden epileptischen Anfall assoziierten regionalen Stoffwechselzunahme
  • Positronen-Emissionstomographie (PET): selten eingesetztes Verfahren zur Darstellung der verringerten Stoffwechselaktivität im Anfallsherd
  • Elektrocortikographie: Ableitung der Hirnströme direkt aus dem Hirngewebe mit implantierten Elektroden.

Untersuchungen zur Abgrenzung benachbarter, funktioneller Hirnareale mittels:

  • Sprach-fMRI: funktionelle Kernspintomographie zur Lokalisation von Spracharealen, kann manchmal den Wada-Test ersetzen
  • Wada-Test bzw. intrakarotidaler Amobarbitaltest: Betäubung einer Hirnhälfte (zirka 15 Minuten) zur Prüfung der Seitendominanz von Sprachfunktionen
  • kortikale Elektrostimulation: direkte elektrische Reizung der Hirnrinde zur Ermittlung von Funktionen in der Nähe des Anfallsherdes.

Mit Hilfe standardisierter neuropsychologischer Tests wird der Status quo der geistigen Leistungsfähigkeit dokumentiert und im weiteren postoperativen Verlauf kontrolliert. Aus dem neuropsychologischen Leistungsprofil lassen sich wichtige Hinweise in Bezug auf Hirnfunktionsminderungen gewinnen.