Im Einklang mit der Natur: Ansichten eines Hobby-Imkers

Er schmeckt wie ein warmer Sommertag, ist goldig, klebrig und zuckersüß. Die Rede ist vom Honig. Mensch und Biene sind seit Jahrhunderten über das Geben und Nehmen der blumigen Klebrigkeit miteinander verbunden. Um dem beruflichen Alltag ein natürliches Gegengewicht zu geben, hat Thomas Weimann, Radiologe an der Beta Klinik in Bonn, sich seit über drei Jahren privat der Imkerei verschrieben. Seine Bienenstöcke haben keine Namen, dafür aber Nummern. Die Völker Eins bis Acht bereiten ihm viel Arbeit, Freude und Entspannung. Und seinen Freunden und Kollegen bescheren sie jede Menge aromatischen Honig und amüsante Geschichten aus dem Bienenstock.

Der Mix macht’s: Zwei Standorte für unterschiedliche Geschmackserlebnisse
Gebürtiger Sauerländer, unter anderem Kurzzeit-Berliner und nun wieder Wahl-Bonner: Thomas Weimann ist schon viel herumgekommen. Gerade in der Großstadt fehlte ihm der Bezug zur Natur: Ein Ausgleich zur Betonwüste musste her. Statt Schrebergarten wurde es ein Bienenstock. Und statt Großstadt schnell wieder Westerwald.

Hier sind seine Stöcke auf zwei Standorte verteilt. „Die eine Hälfte ist auf einer Waldwiese zuhause. Und die andere Hälfte wohnt im Westerwald. So bekomme ich zwei völlig verschiedene Honigsorten und es hilft mir, den Bestand zu verjüngen. Denn jede Gruppe zieht ihre eigenen Königinnen auf, die wiederrum für die Nachkommen sorgen.“ Schnell hat er gemerkt, wie eigenständig so ein Bienenvolk agiert. „Es ist faszinierend, wie so viele Tiere einen eigenen Organismus bilden. Sie treffen mit Schwarmintelligenz Entscheidungen. Etwa welche Blüten sie sammeln, wo sie zu finden sind und wann es Zeit ist, den Stock zu erweitern oder zu verlassen. Und die Bienenkönigin hat dort – entgegen der landläufigen Meinung – am wenigsten zu sagen.“ Einmal wäre ihm fast ein Volk entwischt, weil der Platz zu eng geworden ist. „Aber ich konnte noch rechtzeitig aufstocken und meine Bienen und den Honig retten.“

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Dr. Thomas Weimann ist Radiologe an der Beta Klinik in Bonn und privat leidenschaftlicher Hobby-Imker.

In seiner Art ist jedes Volk einzigartig und nicht einzuschätzen. „Ein Freund von mir hat einmal mehrere Völker direkt in einem Rapsfeld beheimatet, um speziell diesen Honig zu gewinnen. Und was machen die Völker? Genau, sie sammeln Raps. Alle bis auf ein Volk. Das hat sich ganz andere Blüten gesucht und entgegen der vermeintlichen Logik des Ortes völlig anderen Honig produziert,“ erinnert er sich lachend. So handhabt er es auch mit seinen Völkern. „Sie dürfen sammeln, worauf sie Lust haben und ich lasse mich überraschen,“ erklärt er grinsend. „Es ist auch zu aufwendig, die Völker sicher durch die Gegend zu transportieren. Das ist Stress für alle Parteien und geht für mich nie ohne Bienenstiche aus. Aber ich kann ihnen ja auch nicht böse sein. Sie tun nur, was sie müssen, um das Volk zu schützen.“

Die Arbeit als Imker als Ausgleich zum Job
Bienen sind sensible Tiere, die Unruhe spüren und entsprechend quittieren. „Ich kann also nicht mal eben zwischen Tür und Angel meine Arbeit an den Völkern machen. Ich muss zur Ruhe kommen und mir Zeit nehmen, bevor ich mit den Tieren arbeite,“ erklärt Thomas Weimann. In den Sommermonaten muss er einmal pro Woche in jedem Volk nach dem Rechten sehen, während er in den Wintermonaten die Kästen, in denen gerade keine Völker wohnen, repariert. „Ich lebe viel naturverbundener seit ich Imker bin. Ich beobachte, was blüht und erlebe die Jahreszeiten so viel intensiver, da ich immer auch in Bienendimension denke. Denn ich bin für sie verantwortlich und möchte ihnen ein gutes und intaktes Zuhause bieten.“

Süße Ernte und medizinische Ausbeute
Einen medizinischen Nutzen hat sein Hobby übrigens auch. „Ich stelle für den Eigenbedarf Propolis-Tinktur her. Propolis ist ein antibakterielles und pilztötendes Kittharz, mit dem die Bienen ihre Waben und den ganzen Stock auskleiden und schützen. Als Tinktur hilft es gut bei Zahnfleischleiden und anderen kleinen Problemen.“

„Die größte Herausforderung als Imker?“ grübelt er. „Neben der Aufzucht von Königinnen ist es die Suche nach dem idealen Zeitpunkt zur Honigentnahme. Hier kommt es auf die richtige Zucker- und Wasserkonzentration an. Dann muss ich die Waben entnehmen und den Honig zur weiteren Verarbeitung ausschleudern. Dabei gehen die Waben teilweise kaputt. Aber ich gebe sie den Bienen dennoch zurück. Denn über Nacht reparieren sie die kaputten Waben. Das ist immer wieder der Wahnsinn!“