Künstliches Hüftgelenk (Hüft-TEP) im Überblick: Bauweise, Materialien & Verankerungen

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In Deutschland erhalten jedes Jahr rund 200.000 Menschen ein künstliches Hüftgelenk – das ist ein häufiger Eingriff, der vielen Betroffenen ein schmerzfreieres und aktiveres Leben ermöglichen kann. Doch welche Materialien von Hüftprothesen gibt es? Was überlegt sich der Operateur vor der OP? Und wie wird die Prothese im Knochen verankert?

Warum wird ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt?

Die häufigste Ursache ist die sogenannte Hüftarthrose – eine altersbedingte Veränderung des Hüftgelenkknorpels, der schmerzhaft sein KANN, aber nicht weh tun MUSS.

Etwa drei Viertel aller eingesetzten Hüftprothesen dienen der Behandlung dieser, vor allem im Alter auftretenden, Veränderung. Auch jüngere Patienten unter 50 können ein künstliches Gelenk bekommen. Etwa jedes 20. Implantat betrifft diese Altersgruppe.

Die zweithäufigste Ursache ist ein Schenkelhalsbruch, also ein Knochenbruch unterhalb des Hüftkopfes am Schenkelhals, oft durch Stürze im höheren Alter verursacht. Rund 50.000 Menschen pro Jahr benötigen deswegen ein neues Hüftgelenk.

Weitere Gründe für eine Hüft-TEP können sein:

  • Rheumatoide Arthritis (Entzündliche Gelenkerkrankung)
  • Hüftkopfnekrose (Absterben des Hüftkopfes z.B. durch Durchblutungsstörungen)
  • Hüftdysplasie (Angeborene Fehlstellung des Hüftgelenkes)

Welche Arten von Hüftprothesen gibt es?

Ein künstliches Hüftgelenk – auch Hüft-Totalendoprothese, kurz Hüft-TEP genannt, ersetzt sowohl den Hüftkopf als auch die Hüftpfanne.

Es besteht aus mehreren Teilen:

  1. Prothesenschaft: meist aus Titan oder einer Cobalt-Chrom-Stahl-Legierung
  2. Hüftkopf: oft aus Keramik oder Metall
  3. Hüftpfanne & Pfanneneinsatz: Kombinationen aus Titan, Polyethylen (Kunststoff), Keramik oder Metall

Die einzelnen Teile der Hüft-TEP können aus verschiedenen Materialien bestehen. Die Auswahl der Materialien erfolgt nach verschiedenen Kriterien. Z.B. wird der Lebensstil des Patienten berücksichtig. Also wie aktiv dieser ist oder wie stabil die vorhandene Knochensubstanz ist, in die die neue Hüfte eingebaut wird.

Je nach Kombination der Materialien spricht man von sogenannten Gleitpaarungen, die sich in ihrer Haltbarkeit, das bedeutet in dem entstehenden Abrieb, unterscheiden.

Gleitpaarung = Oberschenkelkopf + Hüftpfanne/ Inlay der Pfanne
Diese Teile gleiten bei jeder Bewegung gegeneinander. Sie müssen Millionen von Bewegungen, im besten Fall, über Jahrzehnte aushalten.

Ein Beispiel:
5.000 x strecken und beugen der Hüfte (z.B. Beim hinsetzten und aufstehen) x 365 Tage x 20 Jahre = 36,5 Millionen Bewegungen.

Bei jedem Mal aufstehen und hinsetzen wird ein ganz kleines Bisschen der Oberfläche des künstlichen Gelenkes abgerieben. Deswegen spricht man vom Abrieb als Risikofaktor für eine Lockerung der künstlichen Hüfte.

Aus diesem Grund ist die Materialkombination der Hüft-TEP entscheidend. Moderne Hüft-TEPs halten mittlerweile 15-20 Jahre oder sogar länger. Bei sehr jungen Patienten kann im Laufe des Lebens ein Wechsel (Revision) nötig werden.

Physiotherapie in der Beta Klinik

Innerhalb der Beta Klinik ist der Fachbereich Physiotherapie Ihre Adresse in Bonn für PhysiotherapieRehabilitationFitness und Leistungsdiagnostik.

Unser Physiotherapie-Team in Bonn besteht aus studierten und ausgebildeten Physiotherapeut:innen sowie Sportwissenschaftler:innen.

Gemeinsam arbeiten wir fachübergreifend und interdisziplinär mit den Ärztinnen und Ärzten der Beta Klinik an Ihrer Rehabilitation nach Operationen und anderen Erkrankungen.

Unser Bestreben ist es, dass Sie Ihren Alltag wieder beschwerdefrei meistern und Ihre Ziele erreichen können. In Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin betreuen wir Sie während Ihres stationären Aufenthalts bei uns und im Anschluss auch gerne ambulant. Dabei ist es unser Anliegen, Ursachen und Zusammenhänge Ihrer Beschwerden zu finden und effektiv zu behandeln.

Wie wird die Prothese im Körper verankert?

Es gibt drei grundsätzliche Möglichkeiten, wie die Prothese im Knochen befestigt wird:

  1. Zementfrei: Die Prothese wird eingepresst oder eingeschraubt. Der Knochen wächst mit der Zeit in die Oberfläche ein – eine sogenannte „biologische Fixierung“.
  2. Zementiert: Die Prothese wird mit einem speziellen Kunststoffkleber im Knochen befestigt.
  3. Hybrid: Eine Mischung aus beiden – z. B. zementierter Schaft und zementfreie Pfanne.

Welche Methode für Sie die Richtige ist, hängt vor allem von Ihrem Alter, Ihrer Knochendichte und Ihrem Aktivitätsniveau ab.

Spezielle Formen der Hüftprothese

Neben der “Standard-Hüft-TEP” gibt es weitere Varianten:

  • Hemiendoprothese (HEP): Nur der Hüftkopf wird ersetzt.
  • Duokopfprothese: Eine Sonderform, bei der nur der Hüftkopf und Schenkelhals ersetzt werden und die Hüftpfanne erhalten bleibt.
  • Kurzschaftprothese: Wird häufiger bei jüngeren Patienten verwendet, da sie mehr Knochensubstanz erhält.
  • Langschaftprothese: Kommt bei schlechter Knochenqualität zum Einsatz, da sie eine stabilere Verankerung bietet.
  • Revisionsprothese: Wird eingesetzt, wenn bereits eine Prothese vorhanden ist und ersetzt werden muss.

Welche Prothese ist für Sie geeignet?

Das entscheidet Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr Arzt individuell – abhängig von:

  • Ihrem Alter.
  • Ihrer Knochensubstanz.
  • Ihrer körperlichen Aktivität.
  • Ihren persönlichen Bedürfnissen.

Ziel ist ein möglichst schmerzarmes, stabiles und langlebiges Gelenk, das zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen kann.

Moderne Operationsverfahren

In der Beta Klinik kommen moderne, möglichst schonende Operationsverfahren zum Einsatz. Ziel ist es, die umliegende Muskulatur bestmöglich zu erhalten und eine schnelle Mobilisation nach dem Eingriff zu ermöglichen.

Wie kann ich mich bestmöglich auf meine Hüft-OP vorbereiten?

  1. Informieren Sie sich: Nutzen Sie vertrauenswürdige Quellen über die verschiedenen Materialien, die bei Hüft-TEPs verwendet werden, die Ihnen dabei helfen können die jeweiligen Vor- und Nachteile zu verstehen.
  2. Dokumentation: Notieren Sie sich alle Fragen und Punkte, die Sie klären möchten, um im Gespräch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin nichts zu vergessen. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist der Schlüssel, um die beste Entscheidung für Ihre Gesundheit zu treffen.
  3. Berücksichtigen Sie Ihre persönlichen Bedürfnisse: Denken Sie an Faktoren wie Aktivitätsniveau, Allergien, mögliche Unverträglichkeiten oder vorherige Erfahrungen mit Implantaten. Teilen Sie diese Informationen mit Ihrem Operateur.
  4. Lassen Sie sich beraten: Ein Facharzt oder Fachärztin für Orthopädie kann Ihnen anhand Ihrer individuellen Situation Empfehlungen geben, welches Material und Art von Prothese am besten zu Ihnen passt.
  5. Stellen Sie Fragen: Versuchen Sie gezielte Fragen zu den Materialien, die bei Ihrer geplanten OP in Betracht gezogen werden oder zum geplanten Procedere um die OP herum zu stellen, damit Sie gut informiert sind.

Vorbereitung bei uns in der Physiotherapie: Wenn Sie sich bereits für eine Hüft-TEP entschieden haben, kann ein präoperatives Training positiven Einfluss auf den anschließenden Verlauf der Reha haben. Wir im Haus unterstützen Sie gerne dabei.

Was kann ich mit einer Hüftprothese alles machen?

Mit einer Hüftprothese können Sie in der Regel viele Aktivitäten wieder aufnehmen und ein aktives Leben führen. Natürlich hängt das von Ihrer individuellen Genesung und den Empfehlungen Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin ab. Hier sind einige Dinge, die nach einer Hüft-OP oft wieder möglich sind:

  1. Gehen und spazieren: Bereits innerhalb der ersten Stunden und Tage nach der Operation, ist Gehen möglich und können erheblich zur Genesung beitragen. Auch erst kleinere und mit der Zeit länger werdende Spaziergänge sind absolut sinnvoll und empfehlenswert.
  2. Alltägliche Aktivitäten: Dinge wie Treppensteigen, Einkaufen, Hausarbeit und Gartenarbeit sind hervorragende Zwischenziele, die innerhalb des Rehaverlaufes erreicht werden können.
  3. Sportliche Aktivitäten: Die Physiotherapie wird bei uns individuell auf die Patienten angepasst, egal ob Sie wieder z.B. Radfahren, Schwimmen, Yoga oder ins Fitnessstudio gehen möchten. Ein regelmäßiges Training kann Sie dabei unterstützen, dass Sie Ihren Alltag wieder bestmöglich bewältigen können.
Fazit

Ein künstliches Hüftgelenk ist eine bewährte und effektive Behandlungsmöglichkeit bei verschiedenen Hüfterkrankungen. Moderne Prothesen und schonende Operationsverfahren ermöglichen in vielen Fällen eine deutliche Schmerzreduktion und eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität.

Die Wahl der passenden Prothese sowie die genaue Behandlungsstrategie erfolgen stets individuell – mit dem Ziel eines möglichst stabilen, langlebigen und gut funktionierenden Gelenks. Sie möchten sich individuell beraten lassen oder haben Fragen rund um das Thema Hüftprothese? Das Team der Beta Klinik unterstützt Sie gerne.

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