Andrologie: Männerheilkunde bei Potenzproblemen, Unfruchtbarkeit und Hormonstörungen
Die Andrologie ist die Männerheilkunde und damit das medizinische Pendant zur Gynäkologie – sie befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane, Fruchtbarkeitsstörungen sowie hormonellen Beschwerden. In der Beta Klinik Bonn bieten wir eine umfassende Beratung, Diagnostik und Behandlung in allen Bereichen der Andrologie an.
Im Team um die renommierten Urologen Prof. Dr. med. Sebastian Wille, Prof. Dr. med. Dr. h.c. Stefan C. Müller und Stephan Möllers wird im Zentrum der urologischen Klinik der Beta Klinik das gesamte diagnostische und therapeutische Spektrum bei andrologischen Erkrankungen angeboten.
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Andrologie: Das Wichtigste im Überblick
- Die Andrologie ist die Männerheilkunde und das medizinische Pendant zur Gynäkologie – in Deutschland kein eigenständiger Facharzt, sondern eine Zusatzbezeichnung, die meist von Urologen, Dermatologen oder Endokrinologen erworben wird.
- Typische Behandlungsfelder sind Diagnostik und Therapie von Erektionsstörungen, männlicher Unfruchtbarkeit, Ejakulations- und Orgasmusstörungen, Hormonmangel (Testosteronmangel, Andropause), Penisdeformitäten (z. B. Peyronie-Krankheit) sowie Erkrankungen von Hoden, Nebenhoden und Prostata.
- Zu den diagnostischen Methoden gehören Spermiogramm, Hormonanalysen (Testosteron, FSH, LH, Prolaktin), Ultraschall und Doppler-Sonographie der Hoden- und Penisgefäße, genetische Untersuchungen, Schwellkörper-Injektionstest sowie standardisierte Fragebögen (z. B. IIEF, AMS-Score).
- Klassische Therapieoptionen sind Lebensstilmodifikation, medikamentöse Behandlung (PDE-5-Hemmer, Antibiotika, Dapoxetin), Hormontherapie (Testosteronsubstitution, hCG/FSH), apparative Verfahren (SKAT, MUSE, Vakuumpumpe, Stoßwellen) sowie operative Eingriffe wie Vasektomie, Refertilisierung, Varikozelen-OP, TESE/MESA und Implantation einer Penisprothese.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Andrologie?
Andrologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Gesundheit des Mannes befasst – insbesondere mit den Funktionen und Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane und des Hormonhaushalts. Sie gilt als das männliche Pendant zur Gynäkologie.
Anders als die Gynäkologie ist die Andrologie in Deutschland kein eigenständiger Facharzt, sondern eine Zusatzbezeichnung. Sie kann von Fachärzten aus verschiedenen Disziplinen erworben werden – meist von Urologen, Dermatologen oder Endokrinologen. Die Urologie umfasst zwar überlappende Bereiche (Hoden, Prostata), kümmert sich aber bei beiden Geschlechtern auch um die Harnwege bei Themen wie Inkontinenz, während die Andrologie spezifisch auf männliche Fortpflanzung und Hormone fokussiert ist.
„Viele Männer zögern lange, bevor sie mit Beschwerden wie Erektionsstörungen oder Hormonmangel zum Arzt gehen. Dabei ist die Andrologie heute in der Lage, für nahezu jedes Problem eine wirksame Lösung anzubieten – wichtig ist nur, dass Betroffene den ersten Schritt wagen."
Prof. Dr. med. Sebastian Wille
Typische Krankheitsbilder in der Andrologie
Die Andrologie beschäftigt sich vor allem mit Fruchtbarkeitsstörungen (Infertilität, Spermienqualität), Erektionsstörungen und sexuellen Funktionsstörungen, Hormonstörungen (z. B. Testosteronmangel, Hypogonadismus, „Wechseljahre des Mannes"/Andropause), Erkrankungen von Hoden, Nebenhoden, Prostata und Penis sowie der Familienplanung beim Mann (z. B. Vasektomie, Kryokonservierung von Spermien).
Infertilität (unerfüllter Kinderwunsch)
Die männliche Unfruchtbarkeit ist an etwa der Hälfte aller Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit beteiligt – entweder als alleinige oder als Mitursache. Die Andrologie übernimmt hier die komplette diagnostische und therapeutische Abklärung des Mannes. Zentrales Untersuchungsinstrument ist das Spermiogramm nach WHO-Richtlinien. Dabei werden Spermienkonzentration (Normalwert ≥ 15 Mio./ml), Gesamtzahl, Beweglichkeit (Motilität), Morphologie (Form), Vitalität, pH-Wert und Volumen des Ejakulats analysiert. Auffällige Befunde werden klassifiziert als:
- Oligozoospermie (zu wenige Spermien)
- Asthenozoospermie (zu unbeweglich)
- Teratozoospermie (Formanomalien)
- Azoospermie (keine Spermien nachweisbar).
Ergänzend erfolgen eine körperliche Untersuchung (Hodenvolumen mit Orchidometer, Tasten der Samenleiter, Suche nach Varikozele), eine Ultraschalluntersuchung der Hoden (auch Doppler-Sonographie), Hormonanalysen (Testosteron, FSH, LH, Prolaktin, Östradiol, SHBG) sowie bei Bedarf genetische Untersuchungen (Karyotyp, Y-Chromosom-Mikrodeletionen, CFTR-Mutationen bei Verdacht auf Samenleiteragenesie).
Die Behandlung wird individuell auf die vorherige gründliche Diagnostik gestützt und kann medikamentös erfolgen, aber auch operativ durchgeführt werden. Auch die Vorbereitung für reproduktionsmedizinische Verfahren (IUI, IVF, ICSI) gehört zum Feld der Andrologie. Die operative Spermiengewinnung aus dem Hodengewebe ermöglicht heute auch Männern mit fehlenden Spermien im Ejakulat eine biologische Vaterschaft.

Untersuchung von Spermien im Ejakulat mit einer KI-basierten Software
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Potenzprobleme (im weiteren Sinne)
„Potenz" ist ein Sammelbegriff, der über die reine Erektionsfähigkeit hinausgeht. Die Andrologie unterscheidet hier präzise zwischen verschiedenen Funktionsbereichen:
Ursache ist häufig ein Testosteronmangel (Hypogonadismus, „Late-onset Hypogonadism"). Die Diagnostik umfasst zwei Testosteronmessungen am Morgen (Werte unter 12 nmol/l gelten als grenzwertig), zusätzlich LH, FSH, Prolaktin und SHBG. Bei nachgewiesenem Mangel mit Symptomen kann eine Testosteronsubstitution erfolgen – als Gel, Spritze (Depot-Injektion) oder Pflaster – unter regelmäßiger Kontrolle von Prostata, Hämatokrit und PSA.
Hierzu gehören vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox) – behandelbar mit Verhaltenstherapie, Lokalanästhetika oder Dapoxetin – sowie verzögerter, ausbleibender oder retrograder Samenerguss (Ejakulat fließt in die Blase, oft nach Prostata-OPs oder bei Diabetes).
Störungen oder ein Ausbleiben des Orgasmus ist häufig medikamentös (besonders durch SSRI/Antidepressiva), neurologisch oder psychogen bedingt.
Die Induratio penis plastica (Peyronie-Krankheit) verursacht schmerzhafte Krümmungen durch bindegewebige Plaques und kann konservativ (Stoßwellen, Injektionen mit Kollagenase) oder operativ behandelt werden.
Das „Partial Androgen Deficiency of the Aging Male" beschreibt den altersbedingten Testosteronabfall mit Symptomen wie Antriebslosigkeit, Muskelabbau, Stimmungstief und Libidoverlust – ein klassisches Feld der Andrologie, das sorgfältig von Depression und anderen Ursachen abzugrenzen ist.
Erektionsstörung (erektile Dysfunktion, ED)
Eine erektile Dysfunktion liegt vor, wenn über mindestens sechs Monate keine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion erreicht oder gehalten werden kann. Sie betrifft etwa 20 Prozent der Männer über 50 und nimmt mit dem Alter deutlich zu.
Die Andrologie geht systematisch vor: Erhebung der Sexualanamnese (oft mit dem standardisierten IIEF-Fragebogen), Abgrenzung organischer von psychogenen Ursachen (z. B. durch Frage nach morgendlichen/nächtlichen Erektionen), körperliche Untersuchung, Hormonstatus und kardiovaskuläre Risikoabklärung. Ein wichtiger Aspekt: Eine ED ist häufig Frühwarnsymptom für Gefäßerkrankungen – die Penisarterien sind kleiner als die Herzkranzgefäße und werden früher symptomatisch. Ein Androloge veranlasst daher oft Blutdruck-, Blutzucker- und Lipidkontrollen und überweist gegebenenfalls zur Kardiologie.
Wenn alle anderen Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind oder versagen – etwa nach radikaler Prostatektomie (Entfernung der Prostata), bei schwerem Diabetes mellitus, nach Beckentraumata oder bei ausgeprägter Peyronie-Krankheit –, kommt die Implantation einer Penisprothese (Schwellkörperimplantat) als definitive Lösung infrage. Dieser Eingriff stellt die letzte Stufe des Behandlungsalgorithmus bei erektiler Dysfunktion dar und erzielt mit Patientenzufriedenheitsraten von 90 bis 95 Prozent die höchsten Werte aller ED-Therapien.
„Eine Erektionsstörung ist häufig mehr als nur ein sexuelles Problem – sie kann ein frühes Warnsignal für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Genau deshalb betrachten wir in der Andrologie immer den ganzen Menschen und nicht nur das einzelne Symptom."
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Stefan C. Müller
Vasektomie
Die Vasektomie ist ein kleiner operativer Eingriff zur dauerhaften Empfängnisverhütung beim Mann und gilt als eine der sichersten Verhütungsmethoden überhaupt – mit einem Pearl-Index von etwa 0,1. Dabei werden die beiden Samenleiter (Vasa deferentia), die die Spermien aus den Nebenhoden zur Harnröhre transportieren, durchtrennt und verschlossen. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung und dauert nur etwa 15 bis 30 Minuten. Über einen kleinen Schnitt oder Stich am Hodensack werden die Samenleiter freigelegt, ein kurzes Stück entfernt und die Enden verödet, abgebunden oder umgeschlagen. Besonders schonend ist die sogenannte Non-Scalpel-Technik, bei der ohne klassischen Schnitt gearbeitet wird und Blutungen sowie Wundheilungsprobleme deutlich seltener auftreten.
Wichtig ist: Die Vasektomie wirkt nicht sofort. Erst nach etwa 15 bis 20 Ejakulationen oder rund drei Monaten sind die Samenwege vollständig spermienfrei – dies muss durch zwei Kontroll-Spermiogramme bestätigt werden, bevor auf andere Verhütung verzichtet werden kann. Hormonhaushalt, Libido, Erektionsfähigkeit und Orgasmus bleiben vollständig unverändert, da Testosteron weiterhin von den Hoden ins Blut abgegeben wird und das Ejakulatvolumen kaum abnimmt – die Spermien machen nur etwa fünf Prozent des Samenergusses aus. Komplikationen wie Nachblutungen, Infektionen oder ein chronisches Schmerzsyndrom (Post-Vasektomie-Schmerz) sind selten.
Grundsätzlich sollte die Vasektomie als endgültige Entscheidung betrachtet werden. Zwar ist eine Refertilisierung durch mikrochirurgische Wiederverbindung der Samenleiter (Vasovasostomie) möglich, die Erfolgsraten hängen jedoch stark vom zeitlichen Abstand zur Vasektomie ab und liegen bei etwa 50 bis 90 Prozent für die Durchgängigkeit, aber deutlich niedriger für eine tatsächliche Schwangerschaft. Wer sich diese Option offenhalten möchte, kann vorab Spermien kryokonservieren lassen.
Wechseljahre des Mannes: Die Andropause
Anders als die weiblichen Wechseljahre verläuft die Andropause schleichend und ohne klares Endpunktereignis. Ab etwa dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel jährlich um rund ein bis zwei Prozent, doch nicht jeder Mann entwickelt dadurch Beschwerden – nur bei etwa zwei bis fünf Prozent der über 50-Jährigen führt der Hormonabfall tatsächlich zu Symptomen, was medizinisch als Late-onset Hypogonadism oder PADAM bezeichnet wird. Typische Anzeichen sind Antriebs- und Leistungsabfall, Müdigkeit, depressive Verstimmung, Libidoverlust und Erektionsstörungen, begleitet von Muskelabbau bei gleichzeitiger Zunahme des Bauchfetts, Schlafstörungen, Hitzewallungen und einem Verlust an Knochendichte.
Weitere Behandlungsbereiche an der Schnittstelle Urologie und Andrologie
Prostata vergrößert: Behandlung mit Rezum™-Therapie Eine vergrößerte Prostata (benigne Prostatahyperplasie, kurz BPH) zählt zu den häufigsten urologischen Erkrankungen des Mannes
Andrologie und Urologie in der Beta Klinik
In der Beta Klinik Bonn arbeiten Andrologie und Urologie eng miteinander verzahnt – ein Konzept, von dem unsere Patienten in besonderem Maße profitieren. Da die Andrologie als Zusatzbezeichnung in der Regel von erfahrenen Urologen erworben wird, lassen sich beide Fachgebiete unter einem Dach optimal vereinen. So erhalten Männer eine ganzheitliche Betreuung, bei der nicht nur Erkrankungen von Niere, Blase, Prostata und Harnwegen, sondern auch hormonelle Beschwerden, Fruchtbarkeitsstörungen und sexuelle Funktionsstörungen kompetent abgeklärt und behandelt werden.
Unser interdisziplinäres Team um Prof. Dr. med. Sebastian Wille, Prof. Dr. med. Dr. h.c. Stefan C. Müller und Stephan Möllers deckt das gesamte Spektrum moderner Männermedizin ab – von der Vorsorge und Diagnostik über medikamentöse und hormonelle Therapien bis hin zu komplexen mikrochirurgischen und prothetischen Eingriffen. Besonders bei Krankheitsbildern, die beide Disziplinen berühren – etwa erektile Dysfunktion nach Prostataoperationen, Inkontinenz, Schwellkörperimplantationen oder Kinderwunsch nach urologischen Eingriffen – kommt die enge Verzahnung den Patienten unmittelbar zugute.
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Häufige Fragen zur Andrologie
Ist die Andrologie Teil der Urologie?
Die Andrologie ist kein eigenständiger Facharzt, sondern eine Zusatzbezeichnung, die meist von Urologen, aber auch von Dermatologen oder Endokrinologen erworben wird. Sie überschneidet sich inhaltlich stark mit der Urologie, ist aber spezifischer auf männliche Fortpflanzung, Sexualfunktion und Hormonhaushalt fokussiert. Man kann sie daher als spezialisiertes Teilgebiet innerhalb der Urologie verstehen.
Was wird in der Andrologie gemacht?
Die Andrologie diagnostiziert und behandelt Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane, Fruchtbarkeitsstörungen, Erektions- und Ejakulationsprobleme sowie hormonelle Beschwerden wie Testosteronmangel. Typische Maßnahmen sind Spermiogramme, Hormonanalysen, Ultraschall der Hoden, medikamentöse und operative Therapien sowie Beratung zu Verhütung und Kinderwunsch. Sie ist damit das männliche Pendant zur Gynäkologie.
Ist eine erektile Dysfunktion heilbar?
Ob eine erektile Dysfunktion heilbar ist, hängt von der Ursache ab: Psychogene Formen sowie hormonell oder durch Lebensstil bedingte Erektionsstörungen lassen sich oft vollständig beheben. Organische Ursachen wie fortgeschrittene Gefäßschäden oder Nervenverletzungen sind hingegen meist nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar – etwa mit PDE-5-Hemmern, SKAT oder im äußersten Fall einer Penisprothese. Eine zufriedenstellende Sexualität ist somit fast immer wiederherstellbar.
Welche Potenzprobleme sind bei Männern ab 50 Jahren häufig?
Am häufigsten treten in dieser Altersgruppe erektile Dysfunktion (etwa jeder fünfte Mann über 50 ist betroffen, mit steigender Tendenz) und Libidoverlust durch Testosteronmangel (Late-onset Hypogonadism) auf. Auch verzögerte Ejakulation und Orgasmusstörungen nehmen zu, oft begünstigt durch Diabetes, Bluthochdruck, Medikamente oder Prostataerkrankungen. Hinzu kommen Beschwerden im Rahmen der Andropause wie Antriebsverlust, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen
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Quellenangaben
- S3-Leitlinie Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion.
- Leitlinie zur genetischen Abklärung Margreiter M.: Leitlinie genetische Abklärung der männlichen Unfruchtbarkeit. In: Journal für Urologie und Urogynäkologie 2008; 15 (Sonderheft 6), Ausgabe für Österreich, S. 24–25.
- Leitlinie zum Androgendefizit Kratzik C., Dollezal P., Davoudi M., Ponholzer A., Lackner J.: Leitlinie partielles Androgendefizit des alternden Mannes. In: Journal für Urologie und Urogynäkologie 2008; 15 (Sonderheft 6), Ausgabe für Österreich, S. 5–6.