Obstruktive Defäkationsstörung / Stuhlentleerungsstörung

Obstruktive Defäkationsstörung (ODS), Obstipation (Stuhlverstopfung), Rektozele (Darmsenkung zur Scheidenhinterwand)

Stuhlentleerungsstörungen (chronische Obstipation/Stuhlverstopfung) sind ein häufiges Symptom. Man unterscheidet zwischen „slow transit“ (langsamer Transport) und „outlet obstruction“ (Enddarm-Entleerungsstörung). Letztere soll hier insbesondere behandelt werden. Die Häufigkeit der Stuhlentleerungen zeigt einen relativ breiten „Normalbereich“: von 3 x täglich bis 1 x alle 3 Tage, soweit der Patient sich dabei wohlfühlt und keine Beschwerden hat. Treten allerdings mehrere Kriterien der obstruktiven Defäkationsstörung (ODS, Defäkation = Stuhlentleerung) gemäß des sog. ODS-Assessment-Scores gehäuft oder regelmäßig auf, wie Pressen, Gefühl der unvollständigen Entleerung, Gefühl der anorektalen Blockierung, manuelle Unterstützung der Entleerung, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Diagnostik obstruktive Defäkationsstörung / Stuhlentleerungsstörung

Wichtig bei einer diagnostischen Abklärung bei Verdacht auf Darmentleerungsstörungen wie der Obstipation (Stuhlverstopfung) oder der obstruktiven Defäkationsstörung ist eine ausführliche, strukturierte Erhebung der Anamnese (Stuhlgewohnheiten, Gebrauch von Abführmitteln etc.). Wesentliche Hinweise gibt die proktologische Basisuntersuchung: äußere Inspektion, Tastuntersuchung, Mastdarm- (Rektoskopie) und Enddarmspiegelung (Proktoskopie). Hierbei kann bei Frauen meist eine begleitende Rektozele (Senkung des Enddarms mit Ausstülpung zur Scheidenhinterwand) festgestellt werden. Wenn nicht bereits geschehen, ist eine Koloskopie (Darmspiegelung) zur Beurteilung des Dickdarms erforderlich.

Die Anal-Manometrie, die Druckmessung des Schließmuskels, gibt Hinweise auf Ruhetonus und aktive Funktion der Schließmuskulatur. Der HINTON-Test, bei dem eine Röntgenaufnahme des Bauchs mit Röntgenmarkern vorgenommen wird, gibt Auskunft über einen eventuell zu langsamen Transport des Stuhls im Dickdarm.

Den größten Informationsgewinn bringt eine funktionelle bildgebende Darstellung des Mast- und Enddarms, wobei in letzter Zeit die Röntgen-Defäkografie durch eine MR-Defäkografie weitgehend abgelöst wurde. Dabei wird ein Kontrastmittel verabreichert, das auf den Röntgen- oder MRT-Bildern sichtbar wird. Dabei zeigt die MR-Defäkografie offensichtliche Vorteile. So können die Beckenorgane mit gleichzeitiger Darstellung von Mast- und Enddarm bei der Entleerung und bei Kontraktion des Darms, der Harnblase und des Uterus beurteilt werden.

Therapie obstruktive Defäkationsstörung / Stuhlentleerungsstörung

Primäre Therapie

Die primäre Therapie einer Obstipation (Stuhlverstopfung) oder obstruktiven Defäkationsstörung ist konservativ (nichtoperativ):
Ernährungsberatung: ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mind. 2 l), Ballaststoffe (z. B. Mukofalk®), Entleerungshilfen (Glycerin- oder Lecicarbon®-Zäpfchen). Nicht alle „Abführmittel“ sind schädlich: Makrogol®-Pulver, evtl. zusätzlich abends Laxoberal-Tropfen® führen nicht unbedingt zu einer „Gewöhnung“ des Darms an „Abführmittel“.

Bei Koordinationsstörungen des Beckenbodens ist eine sog. „Biofeedback-Therapie“ sinnvoll und erfolgversprechend. Hierbei erhalten Patienten über einen elektronischen Sensor Feedback zur Muskelaktivität und -stärke ihres Beckenbodens. Übungen helfen dabei eine bessere Kontrolle dieser Muskeln zu erhalten und durch das akustische oder optische Feedback, ist eine Erfolgskontrolle sofort möglich. Hierdurch lässt sich die Funktion der Beckenbodenmuskulatur verbessern.

Operative Behandlung

Liegt eine nachgewiesene obstruktive Defäkationsstörung (Darmentleerungsstörung) durch einen sog inneren Rektumprolaps (= innerer Mastdarmvorfall) bzw. eine Intussuszeption (= Einstülpung) des Mastdarms vor, oft gemeinsam mit einer Rektozele (Ausstülpung des Enddarms zur Scheidenhinterwand), besteht die Möglichkeit einer operativen Behandlung. Hierbei wird der eingestülpte und vorgefallene Darmwandanteil entfernt in einer sog. STARR-Operation (= stapled transanal rectum resection).

Innerer Rektumprolaps mit Rektozele und Intussuszeption (Darmeinstuelpung)

Innerer Rektumprolaps mit Rektozele und Intussuszeption (Darmeinstülpung)