Systemische (medikamentöse) Therapie

Neoadjuvante systemische Therapie (NST)

Die neoadjuvante (primäre), systemische Therapie umfasst alle medikamentösen Therapieformen, die vor Durchführung von operativen Maßnahmen zur Beseitigung des Brustkrebs (Mammarkarzinom) verabreicht werden.

Indikation neoadjuvante systemische Therapie (NST)

Die neoadjuvante systemische Therapie (NST) wird eingesetzt bei

  • lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom (Brustkrebs)
  • primär inoperablem Mammakarzinom (Brustkrebs)
  • inflammatorischem (entzündeten) Mammakarzinom (Brustkrebs)

Durch den Einsatz einer neoadjuvanten Therapie (NST) kann in vielen Fällen eine primär als notwendig angesehene Mastektomie (Entfernung der Brustdrüse) vermieden und eine Brusterhaltung ermöglicht werden.

Die unmittelbare Beurteilung der Therapiewirkung ist ein zusätzlicher Nutzen, um hieraus gegebenenfalls Konsequenzen für die weitere Therapieplanung zu ziehen. Auch wenn nach neoadjuvanter Therapie bei der klinischen und radiologischen Untersuchung kein Tumorrest mehr sichtbar ist, ist eine nachfolgende Operation notwendig.

Adjuvante Chemotherapie

Eine adjuvante Chemotherapie ist eine vorbeugende Behandlung nach der Operation des Brustkrebses (Mammakarzinom) mit dem Ziel, eventuell vorhandene Mikrometastasen im Körper zu vernichten. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens der Erkrankung wird verringert, somit die Heilungsrate erhöht und das Überleben verbessert.

Ablauf adjuvanten Chemotherapie

Bei der adjuvanten Chemotherapie werden sogenannte Zytostatika eingesetzt, welche Tumorzellen am Wachstum hindern oder absterben lassen. Allerdings werden auch gesunde Zellen, die sich häufig teilen angegriffen. Zu ihnen gehören z. B. Zellen der Haare, der Schleimhaut und des blutbildenden Knochenmarks. Dadurch können, je nach Art der Chemotherapie, unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten. Durch moderne begleitende und unterstützende Maßnahmen (Supportive Therapie) gelingt es heute, viele dieser Nebenwirkungen abzumindern oder ganz zu verhindern.

Die chemotherapeutische Behandlung erfolgt ambulant in mehreren Zyklen. Zwischen den Zyklen liegt je nach Therapieschema eine Erholungsphase von 1 bis 3 Wochen.

Während der gesamten Dauer der Chemotherapie ist auf jeden Fall eine sorgfältige Betreuung der Patientin notwendig, um rechtzeitig Nebenwirkungen zu erkennen und zu behandeln.

Was Sie selbst tun können

Was Sie selbst tun können, um die Nebenwirkungen der adjuvanten Chemotherapie abzumildern:

Alkohol und Nikotin

  • rauchen Sie nicht
  • trinken Sie Alkohol nur in kleinen Mengen

Ernährung

  • keine einseitige Diät oder Fastenkuren
  • essen Sie vitaminreich und vollwertig; grundsätzlich können Sie das essen, was Ihnen schmeckt
  • trinken Sie 2 Liter Flüssigkeit pro Tag

körperliche Aktivität

  • Sport kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen, die Lebensqualität verbessern und das Immunsystem stützen
  • geeignete Sportarten sind Walken, Wandern, Schwimmen oder langsames Joggen

Körper und Geist

Achten Sie auf sich selbst und entscheiden Sie, was Ihnen guttut und was Ihnen wichtig ist. Ihre Erkrankung verlangt Zeit zu heilen, körperlich und psychisch. Wenn Sie mit Ihren psychischen Belastungen nicht allein fertig werden, nehmen Sie die Hilfe eines erfahrenen Psychoonkologen in Anspruch. Dieser hilft Ihnen dabei, mit Ihrer neuen Lebenssituation umzugehen und mit Ihnen gemeinsam Möglichkeiten zu finden soziale und psychische Belastungen zu reduzieren.

Palliative Chemotherapie

Beim metastasierten Mammakarzinom (Brustkrebs) geht die Erkrankung in ein chronisches Stadium über und eine Heilung ist meist nicht mehr möglich. Um die Krankheit möglichst lange kontrollieren und die Lebensqualität erhalten und verbessern zu können, werden palliative Chemotherapien durchgeführt, die nicht mehr die Erkrankung selbst, sondern deren Krankheitsfolgen behandeln. Wichtig ist in diesem Krankheitsstadium ein vertrauensvoller Informationsaustausch, Gespräche über das Befinden zwischen Patientin, Angehörigen sowie dem Behandlungsteam. Soweit vertretbar, sollte auf die individuellen Bedürfnisse der Patientin eingegangen werden.

Kriterien zur Therapiewahl

Die Kriterien zur Art der palliativen Chemotherapie sollten sich nach den Erwartungen der Patientin, ihrem Allgemeinzustand und dem vorrangigen Beschwerdebild richten. In Fällen einer langsamen Progression (Voranschreiten) sollte eine Monotherapie (nur eine Therapiemethode/nur ein Wirkstoff) bevorzugt werden. Denn Monotherapien verursachen deutlich weniger Nebenwirkungen. Bei hohem Remissionsdruck (Rückgang der Symptome muss schnell erreicht werden) und schwerwiegenden Symptomen sollte eine Polychemotherapie, d. h. eine Kombination aus mehreren Zytostatika (Zellwachstums-/Zellteilungshemmer), eingesetzt werden.

Was Sie selbst tun können

Was sie selbst tun können, um die palliative Chemotherapie zu unterstützen:

  • trotz fortgeschrittener Erkrankung können Sie Sport treiben und dadurch die Lebensqualität verbessern und das Immunsystem stützen
  • empfehlenswert sind Ausdauersportarten wie Walken, Radfahren, Wandern und Schwimmen
  • zur Stärkung und Zunahme der Muskulatur ist auch leichtes Krafttraining zu empfehlen
  • ggf. können auch Physiotherapie, Entspannungs- und Atemtechniken helfen

Wenn es Ihnen möglich ist, sollten Sie sich nicht von der Erkrankung beherrschen lassen, sondern aktiv an Ihrem Leben arbeiten. Unternehmen sie Dinge, die Ihnen Spaß machen und verbringen Sie Zeit mit den Menschen, die Ihnen viel bedeuten. Helfen kann Ihnen dabei ein erfahrener Psychoonkologe. Dieser findet mit Ihnen gemeinsam Möglichkeiten, um mit Lebenssituation umzugehen und soziale und psychische Belastungen zu reduzieren.

Antihormontherapie

Tamoxifen

Bei Ihnen wurde ein hormonrezeptor-positiver Brustkrebs (Mammakarzinom) diagnostiziert. Wenn das weibliche Geschlechtshormon an Hormonrezeptoren der Krebszellen heftet, regt es diese zum Wachstum an. Tamoxifen (ein Anti-Östrogen) blockiert die Bindung von Östrogen an die Krebszellen und folglich kommt es zu einer Abnahme der Zellvermehrung.

Es handelt sich bei der Therapie um eine Dauertherapie über mehrere Jahre, bei der es ganz wichtig ist, dass Sie das Tamoxifen so lange und regelmäßig einnehmen, wie es der Arzt Ihnen verordnet, um das Krebswachstum lang anhaltend zu unterdrücken.

Im Folgenden finden Sie wichtige Hinweise zur Einnahme von Tamoxifen.

Dosierung: 20 mg 1 x täglich unzerkaut zu einer Mahlzeit mit einem Glas Wasser

Vor Therapiebeginn: augenärztliche Untersuchung

Während der Therapie:

  • regelmäßige Laborkontrollen
  • mindestens jährliche gynäkologische Untersuchungen auf Veränderungen des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut)
  • bei Veränderungen der Sehkraft Untersuchung durch den Augenarzt
  • keine Grapefruit essen/keinen Grapefruitsaft trinken
  • Alkoholkonsum einschränken
  • nicht während Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Hitzewallungen
  • Knochenschmerzen
  • Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen)
  • Fluor vaginalis (Scheidenausfluss)

Anastrozol (Arimidex®)

Bei Ihnen wurde ein hormonrezeptor-positiver Brustkrebs (Mammakarzinom) diagnostiziert. Wenn das weibliche Geschlechtshormon Östrogen an Hormonrezeptoren der Krebszellen heftet, regt es diese zum Wachstum an. Anastrozol (Arimidex), ein Aromatasehemmer, unterdrückt die Östrogenproduktion und folglich kommt es zu einer Abnahme der Zellvermehrung.

Es handelt sich bei der Therapie um eine Dauertherapie über mehrere Jahre, bei der es ganz wichtig ist, dass Sie Anastrozol (Arimidex) so lange und regelmäßig einnehmen, wie es der Arzt Ihnen verordnet, um das Krebszellwachstum lang anhaltend zu unterdrücken.

Im Folgenden finden sie wichtige Hinweise zur Einnahme des Aromatasehemmers.

Einnahme: 1 x täglich unzerkaut mit einem Glas Wasser

Vor Therapiebeginn: Messung der Knochendichte

Während der Therapie:

  • regelmäßige Kontrolle von Knochendichte und Nierenfunktion
  • nicht einnehmen bei schwerer Nierenfunktionsstörung
  • nicht einnehmen bei mäßiger/schwerer Leberfunktionsstörung

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Hitzewallungen
  • Schweißausbrüche
  • Gelenkschmerzen
  • Osteoporose

Exemestan (Aromasin®)

Bei Ihnen wurde ein hormonrezeptor-positiver Brustkrebs (Mammakarzinom) diagnostiziert. Wenn das weibliche Geschlechtshormon Östrogen an Hormonrezeptoren der Krebszellen heftet, regt es diese zum Wachstum an.
Exemestan (Aromasin), ein Aromatasehemmer, unterdrückt die Östrogenproduktion und folglich kommt es zu einer Abnahme der Zellvermehrung.

Es handelt sich bei der Therapie um eine Dauertherapie über mehrere Jahre, bei der es ganz wichtig ist, dass Sie Exemestan (Aromasin) regelmäßig einnehmen, wie es der Arzt Ihnen verordnet, um das Krebszellwachstum lang anhaltend zu unterdrücken.

Im Folgenden finden sie wichtige Hinweise zur Einnahme des Aromatasehemmers.

Einnahme: 1 x täglich unzerkaut mit einem Glas Wasser

Vor Therapiebeginn: Messung der Knochendichte

Während der Therapie:

  • regelmäßige Kontrolle von Knochendichte und Leberfunktion
  • nicht einnehmen bei schwerer Nierenfunktionsstörung
  • nicht einnehmen bei mäßiger/schwerer Leberfunktionsstörung

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Hitzewallungen
  • Schweißausbrüche
  • Gelenkschmerzen
  • Übelkeit (selten)
  • Müdigkeit
  • Osteoporose

Letrozol (Femara®)

Bei Ihnen wurde ein hormonrezeptor-positiver Brustkrebs (Mammakarzinom) diagnostiziert. Wenn das weibliche Geschlechtshormon Östrogen an Hormonrezeptoren der Krebszellen heftet, regt es diese zum Wachstum an. Letrozol (Femara), ein Aromatasehemmer, unterdrückt die Östrogenproduktion und folglich kommt es zu einer Abnahme der Zellvermehrung.

Es handelt sich bei der Therapie um eine Dauertherapie über mehrere Jahre, bei der es ganz wichtig ist, dass Sie Letrozol (Femara) regelmäßig einnehmen, wie es der Arzt Ihnen verordnet, um das Krebszellwachstum lang anhaltend zu unterdrücken.

Im Folgenden finden sie wichtige Hinweise zur Einnahme des Aromatasehemmers:

Einnahme: 1 x täglich unzerkaut mit einem Glas Wasser mit oder nach einer Mahlzeit

Vor Therapiebeginn: Messung der Knochendichte

Während der Therapie:

  • regelmäßige Kontrolle von Knochendichte und Leberfunktion
  • nicht einnehmen bei schwerer Nierenfunktionsstörung
  • nicht einnehmen bei mäßiger/schwerer Leberfunktionsstörung

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Hitzewallungen
  • Schweißausbrüche
  • Gelenkschmerzen/Steifheit
  • Müdigkeit
  • Osteoporose

Antikörpertherapie

Immuntherapie mit Trastuzumab

Bei etwa 15-20 % der Frauen haben die Brustkrebszellen eine bestimmte Oberflächeneigenschaft (Her2-neu). Her2-neu ist die Bezeichnung für einen Rezeptor (Bindungsstelle) für Wachstumsfaktoren auf den Tumorzellen. Liegt eine Überexpression (Vervielfachung der Rezeptorwirkung) vor, dann ergibt sich eine zusätzliche Therapiemöglichkeit: der gezielte Angriff auf die Tumorzellen mit einem Antikörper.

Trastuzumab schaltet den Her2-neu-Rezeptor aus und aktiviert das körpereigene Immunsystem, um die Brustkrebszellen anzugreifen. Die Therapie mit Trastuzumab beginnt simultan mit der Chemotherapie und wird danach alle 3 Wochen ein Jahr lag verabreicht.

Verträglichkeit

Diese Therapieform wird im Allgemeinen sehr gut vertragen. Mit den ersten Infusionen können grippeähnliche Symptome auftreten, da das körpereigene Abwehrsystem angeregt wird. In extrem seltenen Fällen kann die Herzleistung beeinträchtigt werden. Deshalb erfolgt die regelmäßige Kontrolle des Herzmuskels alle 3 Monate mit Ultraschall (Echokardiografie).